Wanderfalke
Falco peregrinus
© Alexander Erdbeer / Fotalia

Lebensraum

Gebäude
Wald
Gewässer

Der Wanderfalke ist als wahrer Kosmopolit in der ganzen Welt zu Hause und kommt in fast allen Lebensräumen vor, solange er dort ein entsprechendes Beutevogelvorkommen und Brutplätze findet. Der Wanderfalke ist sowohl ein Felsen- wie auch ein Baumbrüter. Er besiedelt gebirgige Landschaften sowie Steilküsten. Zunehmend trifft man ihn auch in Städten an, wo er oft die höchsten Gebäude wie Kirchtürme, Wassertürme, hohe Kamine oder Hochhäuser für sich beansprucht und diese als Brutplatzmöglichkeit nutzt.
Der Wanderfalke erbeutet fast hauptsächlich mittelgroße Vögel wie Stare, Drosseln, Tauben oder Krähen. Zu seiner Nahrung gehören auch Wasservögel bis zur Größe einer Ente, Mauersegler oder Fledermäuse. Bei der Jagd stürzt sich der Wanderfalke oft aus großen Höhen auf seine Opfer und erreicht dabei Spitzengeschwindigkeiten von über 320 km/h. Damit gilt er als das schnellste Lebewesen der Erde.
Wanderfalken sind außerhalb der Paarungszeit Einzelgänger. Während der Paarungszeit wird das Brutrevier gegen Artgenossen verteidigt. Einmal vereint, bleibt das Wanderfalkenpaar ein Leben lang zusammen. Ein richtiges Nest baut der Wanderfalke nicht. Er nutzt Plattformen, Felsvorsprünge oder angebotene Nistkästen an entsprechend hohen Gebäuden. Je nach Region kann der Wanderfalke Vogelnester anderer Greifvögel oder von Rabenvögeln beziehen. Bei fehlenden Brutmöglichkeiten in erhöhter Position ist es in einigen Fällen schon zu Bodenbruten gekommen.
Die Balz findet im Februar/März statt und gebrütet wird einmal im Jahr. Meist werden Mitte März 2 bis 4 braun gesprenkelte Eier gelegt. Die Brutdauer beträgt 32 Tage, die geschlüpften Jungen hocken etwa 35 bis 42 Tage im Nest. Nach dem Ausfliegen werden die Jungen noch mehrere Wochen mit Futter versorgt. Sie erlernen von ihren Eltern die überlebensnotwendigen Flugfertigkeiten und Jagdstrategien zunächst auf spielerische Weise.

Erkennungsmerkmale 
Adulte Tiere sind auf der gesamten Oberseite dunkelblaugrau. Die Unterseite ist überwiegend dunkel quergebändert auf weißem bis cremefarbenem Grund. Der Hals und die Brust sind sehr variabel gefärbt: leicht bis kräftig dunkel gefleckt oder gestrichelt. Kennzeichnend für die Art ist je ein kräftiger, schwarzer Streifen auf der Seite des Gesichts, der von der hellen Kehle scharf abgesetzt ist. Auffällig sind auch die großen runden Augen: Die Iris ist dunkelbraun, wobei die Wachshaut und der Augenring gelb erscheinen. Als Wachshaut bezeichnet man den ungefiederten Bereich in der Nasengegend oberhalb des Schnabels. Auch die Beine sind gelb gefärbt mit schwarzen Krallen.
Lebensraum 
Wanderfalken kommen in fast allen Lebensräumen und Landschaftsformen vor. Klassisch ist er in felsigen Regionen, aber auch in geschlossen bewaldeten und/oder großräumig felsfreien Gebieten, in offenem Gelände und an Gewässern anzutreffen.
Gefährdungsgrad
Seit Anfang der 1970er steht der Wanderfalke wie alle Greifvogelarten in Deutschland unter strengem Schutz. Seit den 70er Jahren erholen sich die Bestände vielerorts; man schätzt den aktuellen Bestand in Deutschland auf ca. 600 Brutpaare.
Ähnliche Arten
Der Wanderfalke ist deutlich größer als die beiden anderen heimischen Falkenarten Turmfalke (Falco tinnunculus) und Baumfalke (Falco subbuteo). Der Rücken des Turmfalken ist ziegelrot.
Maße 

Größe: Männchen Ø 38 cm, Weibchen Ø 45 cm
Flügelspannweite: Männchen 90 cm, Weibchen bis 105 cm 

Gewicht: Männchen Ø 610 g, Weibchen Ø 940 g

Aktivitätszeit 
Ganzjährig aktiv
Beobachtung eintragen
Text wurde mit freundlicher Genehmigung vom Haupt Verlag aus dem Buch Stadtfauna übernommen. Cover StadtFauna-Buch
An bekannten Brutplätzen beobachten

Wanderfalken können ganzjährig beobachtet werden. Besonders aktiv zeigt sich diese Art in der Brut- und Aufzuchtzeit zwischen März und Juni. Vor allem in der Stadt lässt sich der Wanderfalke am besten mit Hilfe eines Fernglases oder Fernrohrs an bekannten Brutplätzen beobachten. Zur Aufzuchtzeit der Jungen können Beutereste von Vögeln am Fuße der Kirchtürme gefunden werden. Bei Störungen am Brutplatz ruft der Wanderfalke raue und schnell gereihte „grägrä“ oder „kekeke“ Laute.

Falkenkamera in Zürich:

© Grün Stadt Zürich / Naturschutz

Beizjagd und Falknerei tiergerecht?

In früherer Zeit hat die Beizjagd zur Bestandsgefährdung der Falken beigetragen, da die dafür genutzten Vögel aus der Natur entnommen wurden. Heute stammen die Tiere aus Züchtungen. Auch auf Falknereischauen ist der Wanderfalke häufig anzutreffen. Viele Tierschützer kritisieren das Halten von Greifvögeln zur Beizjagd oder zum Einsatz auf Flugschauen, da die Tiere meist unter nicht artgerechten Bedingungen gehalten werden. Die Falknerei hat allerdings auch eine große Bedeutung auf Flughäfen bei der Vertreibung von Vogelschwärmen.

Melden Sie tote Wanderfalken

Da Wanderfalken regelmäßig Brieftauben erbeuten, stehen Taubenzüchter dieser Greifvogelart häufig sehr kritisch gegenüber. Es kommt leider immer wieder zu illegalen Tötungen der Tiere durch Fang, Abschuss oder Vergiftung. Aufgefundene tote Tiere bitte bei der Polizei oder einer Vogelschutzorganisation melden.

Medienmitteilung von BirdLife Schweiz "Vorsätzliche Vergiftung von Wanderfalken"

Gefahren 
  • Verfolgung durch den Menschen: Die gebietsweise starke Verfolgung durch den Menschen (Jagd, Vergiftung) führt auch heute immer wieder zu Todesfällen. dramatischen Bestandsrückgang.
  • Umweltgifte: Ein weiterer Grund für den Bestandsrückgang waren Umweltgiften, vor allem durch die Aufnahme von chlorierten Kohlenwasserstoffen als Bestandteil vieler Pestizide (v.a. DDT, HCB und PCB) über die Beutetiere. Diese Umweltgifte können direkt zum Tod der Tiere führen, schaden aber vor allem dem Bruterfolg des Wanderfalken, da sie die Eier dünnschalig machen. Das Vorkommen des Wanderfalken ist somit ein Indikator für den Zustand der Umwelt (Biozidbelastung), da er am Ende der Nahrungskette steht.
  • Störungen an den Brutplätzen: Zu den heutigen Gefahren des Wanderfalken zählen vor allem Störungen an den Brutplätzen durch Freizeitaktivitäten (z.B. Klettern) sowie vogelgefährlich konstruierte Strommasten und -leitungen.
StadtWildTiere Berlin
Träger