Habicht
Accipiter gentilis
© Lukas Godja / Fotalia

Lebensraum

Gebäude
Wiese, Obstgärten, Felder
Hecken und Waldränder
Wald

Der Habicht hat ein weites Verbreitungsgebiet, das sich von Europa quer durch das nördliche Asien bis nach Nordamerika erstreckt. Aufgrund seiner Flügel- und Schwanzform ist der Habicht ein geschickter Flieger und ausgezeichneter Jäger. Als „Nahrungsopportunist“ frisst er, was in seinem Revier zahlreich vorkommt. So erbeutet er kleine bis mittelgroße Vögel (u.a. Ringel- oder Stadttauben, Rabenvögel, Amseln usw.) und Säugetiere (z.B. Ratten, Kaninchen, Junghasen, Eichhörnchen) mit einem Gewicht von bis etwa ein Kilogramm. Nur wenn es im Winter durch Schneefall zu Nahrungsengpässen kommt, nutzt der Habicht auch Aas als Futterquelle.
Obgleich Habichte außerhalb der Brutzeit Einzelgänger sind, bleibt ein Habichtpaar lebenslang zusammen und ist dabei sehr reviertreu. Die Paarungszeit kann bei günstigen Wetterbedingungen schon im November und Dezember beginnen, findet aber hauptsächlich im Spätwinter statt. Die Balz wird begleitet von spektakulären Balzflügen, bei denen es zu schnellen gemeinsamen Wechseln der Flugrichtung oder Sturzflügen kommt. Der Horst wird von beiden Partnern hoch auf alten Bäumen erbaut. Meist werden Ende März/Anfang April 3 oder 4 leicht grünlichweiße Eier gelegt. Die Brutdauer beträgt 38 bis 42 Tage. Die geschlüpften Jungen verbleiben als Nesthocker etwa 36 bis 40 Tage im Horst und werden zunächst ausschließlich vom Männchen versorgt, wobei das Weibchen die Küken betreut. Das Weibchen geht erst wieder auf die Jagd, wenn die Jungen keinen Schutz vor Kälte, Nässe und Feinden mehr brauchen. Im Alter von etwa 2 bis 3 Monaten verlassen die Küken das elterliche Revier.
Der Habicht erweist sich als echter Anpassungskünstler, der sich zunehmend in städtischen Parks und Friedhöfen zu Hause fühlt. In der Stadt finden Habichte genügend Beutetiere und Brutplätze und werden zudem weniger vom Menschen verfolgt. Mit einem hohen Habichtbestand von etwa 100 Brutpaaren im Großraum Berlin (Jahr 2014), weist Berlin die höchste Siedlungsdichte von Habichten weltweit auf.

Erkennungsmerkmale 
Breite Flügel und lange abgerundete Schwanzfedern. Ausgewachsene Tiere grau bis bräunliches Rückengefieder, Oberkopf dunkel mit hellem Überaugenstrich, Unterseite weiß mit charakteristischer dunkler Querbänderung. Schnabel kräftig mit dunkler Spitze und gelber Wachshaut. Als Wachshaut bezeichnet man den ungefiederten Bereich in der Nasengegend oberhalb des Schnabels. Iris der Augen gelb bis orange. Beine gelb, Zehen kräftige Krallen.
Lebensraum 
Geschlossene Waldgebiete, offene Kulturlandschaft. Deckungsreiche Landschaft. Zunehmende Eroberung der Städte.
Gefährdungsgrad
Die Art ist nicht gefährdet, steht aber wie alle Greifvögel seit Anfang der 1970er in Deutschland unter Schutz. Seitdem erholen sich die Bestände trotz lokaler Rückgänge (z.B. in Bayern Rote Liste, in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen Vorwarnliste). Die Anzahl der Brutpaare wird aktuell im neuen deutschen Brutvogelatlas ADEBAR auf 11.500 bis 16.500 Brutpaare geschätzt.
Ähnliche Arten
Der Sperber wird aufgrund seines ähnlichen Aussehens oft mit dem Habicht verwechselt, ist aber deutlich kleiner als der Habicht (Männchen: 29–34 cm und Ø 137g; Weibchen: 35–41 cm und Ø 234 g). Habichte sind neben der Größe auch gut an ihrem wesentlich deutlicheren weißen Überaugenstreif zu erkennen.
Maße 

Größe: Männchen 50 cm, Weibchen 60 cm; Flügelspannweite: 110 bis 115 cm 

Gewicht: Männchen Ø 720 g, Weibchen Ø 1130 g (ausgeprägter Unterschied zwischen den Geschlechtern)

Aktivitätszeit 
Ganzjährig aktiv
Beobachtung eintragen
Text wurde mit freundlicher Genehmigung vom Haupt Verlag aus dem Buch Stadtfauna übernommen. Cover StadtFauna-Buch
Scheuer Waldvogel als Stadtbewohner

Der Habicht ist grundsätzlich ganzjährig zu beobachten. Obwohl sich der Habicht in der Stadt oft bis in die belebten Innenstädte wagt, ist der scheue Waldvogel oft nur schwer und mit viel Geduld zu entdecken. Am besten beobachten lässt sich der Habicht auf seinen kurzen Beuteflügen und zur Balzzeit im Spätwinter. Zur Balzzeit sind auch vermehrt die Rufe des sonst eher ruhigen Beutegreifers zu vernehmen. Ab Februar kann man am Nest sowie bei Störungen längere “kja-kja-kja ...“-Rufreihen hören. Die Habichtpaare verständigen sich untereinander mit einem kurzen „gjak“ oder „gjik“.

Habichtsnest mit Jungvögeln. © Rainer Altenkamp / Wikicommons

Unbeliebte Beutegreifer

Alle Greifvogelarten teilen ein gemeinsames Schicksal: Lange wurden sie massiv gejagt und verfolgt. Besonders der Habicht gilt noch heute bei vielen Tauben-und Geflügelzüchtern und  Jägern als großer Schädling bzw. Konkurrent. Noch immer werden Habichte Opfer illegaler Verfolgung durch Fang, Abschuss, Vergiftung und Fällung der Horstbäume. Alle diese Handlungen sind Straftaten. Verschiedene Naturschutzorganisationen und Behörden rufen daher zur Mithilfe auf: Werden Sie Zeuge entsprechender Vorfälle, machen Sie Fotos und informieren Sie die Polizei. Aufgefundene tote Tiere bitte bei der Polizei oder einer Vogelschutzorganisation melden.

Brutplätze melden

Habichte bauen ihre umfangreichen, eindrücklichen Nester (Horste) ausschließlich auf Bäumen. Durch Forstarbeiten während der Brutzeit kann es immer wieder zu massiven Störungen kommen. Zum einen bedeuten die Holzarbeiten für brütende Habichtpaare enormen Stress, zum anderen werden Brutplätze durch Fällung der Bäume zerstört. Hier können Sie helfen, indem Sie Habichtbrutplätze an die zuständigen Forst- und Grünflächenämter melden.

Unfälle vermeiden – Fensterscheiben sichern

In der Stadt ist der Habicht zwar meist sicher vor Verfolgung, kann jedoch tödlich verletzt werden durch Scheibenanflüge an verspiegelten Gebäudefronten und Fensterflächen. Auch hier können Sie helfen, indem Sie die zuständige Straßenbauverwaltungen oder Verkehrsbetriebe über die Gefahren unzureichend gesicherter, gläserner Wind- und Lärmschutzscheiben, Hausecken oder Wartehäuschen informieren und zuhause die eigenen Scheiben und Fenster sichern.

Mehr Informationen 

Broschüre "Vogelfreundliches Bauen mit Glas und Licht" von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach

Weitere Informationen zu urbanen Habichten in Berlin.

Service
Betreut von SWILD
StadtWildTiere Berlin
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